Würde Michael Bay ein Rennspiel produzieren, es würde Split/Second heissen.
Actionlastige Arcade Racer sind, seit Burnout Paradise, irgendwie Mangelware gewesen. Und jetzt stehen mit Split/Second und Bizzare Crations’ Blur gleich 2 Titel in den Startlöchern die es, soweit sei schon vorab gesagt, Wert sind gespielt zu werden. Dabei scheint sich Split/Second, im gegensatz zu Blur, stärker an Burnout zu orientieren. Das ist der definitive Ersteindruck den man gewinnt, wenn man das Spiel auf stillen Screenshots betrachtet. Dabei bedient sich das Spiel doch eher nicht der bei Burnout beliebten Full Contact-Variante um Gegner aus dem Rennen zu hauen, sondern geht den indirekten weg per sogenannter “Power Plays“.
Power Plays sind Ereignisse die man auf der Strecke auslöst, die einen signifikanten Einfluss auf das Fahrverhalten der gegnerischen Wagen haben, und diese im besten Fall gleich komplett zerlegen. “Ereignisse” sind in dem Fall Explosionen, und zwar sehr viele davon. Mit einem beherztem Druck auf den A Knopf jagt man Busse in die Luft, bringt Kraftwerke zum Einsturz, Züge zum entgleisen und Flugzeuge zum Abstürzen. Viele dieser Events sind nur einmalig verfügbar. Klar, ein Kraftwerk das schon eingestürzt ist, kann nicht nochmal einstürzen. Damit dies am Ende eines Rennens nicht zum Problem wird, sind diese sehr kurz gehalten, kein Rennen geht länger als 5 Minuten respektive 3 Runden. Ausser dem zerstören von Objekten können Power Plays auch Abkürzungen offenlegen, die jeodch auch durch nachfolgende Fahrer genutzt werden können, zeitweise.
Um diese Ereignisse, “Power Plays” – Katastrophen möchte man fast sagen – auslösen zu können, braucht man (Überraschung!) “Power“. Power sammelt man an, indem man relativ riskante Fahrmanöver vollbringt, z.B. driftet, im Windschatten eines Konkurrenten fährt, oder möglichst hohe und Weite Sprünge vollführt. Das, nennen wir es mal “Power Meter” unter dem Fahrzeug zeigt an, wieviel Power man gesammelt hat. Man kann ein Maximum für 3 Power Plays ansparen, oder ein Level 2 Power Play. Level 2 Power Plays sind Power Plays die signifikanten Einfluss auf die Strecke haben, sprich, die Streckenführung komplett verändern. Im gegensatz zu normalen Power Plays, denen man mit dem richtigen Timing oft gut ausweichen kann, selbst wenn man sich in unmittelbarer Nähe befindet, bedeutet das aufhalten in der Nähe eines Level 2 Power Plays des Gegners meist das unvermeintliche Ende für das eigene Fahrzeug.
Split/Second’s Saison Modus ist aufgebaut wie eine Fernsehserie. Das Spiel präsentiert sich selbst als “Staffel 1“. Diese Staffel ist unterteilt in 12 Folgen á 5 Events + einem Bonusevent das man freischaltet, indem man bestimmte Bedingungen erfüllt (meistes das zerstören von X Gegnern). Für das beenden dieser Events kriegt man Credits, die für das “Folgenfinale”, dem Saisonrennen benötigt werden. Das Saisonrennen ist ein fortlaufender Meisterschaftsmodus der sich durch alle Folgen zieht. Spielmodi der Events beeinhalten neben dem obligatorischem Standardrennen z.B. auch die Modi Überleben, bei dem das Ziel ist, auf einem recht kleinem Rundkurs so lange wie möglich Laster zu überholen die einem mit explodierenden Fässern regelrecht bombadieren, oder Luftangriff, wo man durch das ausweichen des Beschusses eines Helikopters Power Play’s verdient, die man seinerseits dazu benutzt die abgeschossenen Raketen auf den Helikopter “umzulenken”. Dazu gesellen sich bekannte Modi wie Eliminator, bei dem jeweils der letzte im Feld eliminiert wird, und Detonater, was im Grunde nichts anderes ist als ein Time Attack Modus (auch wenn Time Attack bei dem Spiel natürlich mit reichlich Explosionen verbunden ist, wie könnte es anders sein).
Der Umfang ist generell eher mässig, ab ungefähr Folge 6 stellt sich eintönigkeit ein, da alle neuen Strecken direkt am anfang wortwörtlich “verballert” werden, und sich neue Strecken erst wieder am ende der Staffel zeigen. Die 10 Strecken führen einen durch Canyons, Wüsten, über (Flug)häfen und durch dunkle Industriegebiete. Dabei ist jede dieser Strecken für sich absolut Abwechslungreich gestaltet, was, wie gesagt, durch den reinen Mangel an Strecken jedoch überschattet wird. Mit 14+ Fahrzeugen ist auch hier der Umfang nicht all zu groß, vorallem wenn man bedenkt, das ca 95% dieser Fahrzeuge für den Multipalyermodus fast unnützt ist (dazu weiter unten mehr). Diese Fahrzeuge lassen sich grob in 3 Klassen unterteilen, Sportwagen, Muscles und SUVs. Sportwagen und Muscles halten sich Leistungsmässig ungefähr die Waage, wobei die SUVs total aus der Rolle fallen. Bei diesen Fahrzeugen liegt der Fokus auf “Stailität” (aka “Stärke“), das heisst, sie werden durch die sie umgebenden Explosionen weniger beeinflusst, brechen also durch die Druckwellen weniger bis gar nicht aus. Leider lenken sich die Teile oftmals wie Strassenbahnen, und fahren auch ungefähr so schnell, was die ganze Sache mit der Stabiltät mehr als ausgleicht.
Der Multiplayermodus in Split/Second entfernt ein paar der für Multiplayer offensichtlich untauglichen Modi, und beschränkt sich hier auf die wirklich reinen Rennmodi, wie Standardrennen und Eliminator. Der Einstieg in die Multiplayerwelt von Split/Second ist genauso Simpel wie lieblos. Man wählt die Rennart aus die man fahren möchte, und, das wars dann auch schon. Man landet in einer Lobby, wo man sein Auto auswählt, am Anfang der Karriere sicher ein eher durchschnittliches, und stellt sofort fest das ca 50% der anderen anwesenden Fahrer schon HighEnd Karren fahren. Richtig. Split/Second unterscheidet die Wagen nicht nach Klassen, alle Rennen finden ohne jegliche Einschränkung statt, was dazu führt, das am ende des Tages jeder die gleiche Karre fährt, sofern er sie denn fahren kann. Das gilt übrigens auch für die privaten Lobbys. Also fährt man anfangs in seiner durchschnitts-Karre den meisten anderen Chancenlos hinterher. Spaß!
Matchmaking findet nicht statt, man wird per Zuffalsprinzip in eine offene Lobby geschmissen. Es gibt allerdings ein “Ranking”-System welches das relative Können der anderen Mitfahrer anhand einer Nummer von 99 bis 1 (wobei 1 das beste ist) darstellt, und zwar auch äusserst Prominent als Startnummer auf dem Wagen. Credits für den Karrieremodus, oder etwa neue Wagen freischalten, tut man im Multipalyermodus nicht. Hier wäre definitiv mehr möglich gewesen. Nein. Hier hätte einfach mehr drinnen sein MÜSSEN, vorallem im Vergleich uzm direkten Konkurrenten Blur, aber auch älteren Titeln wie Burnout Paradise, stinkt Split/Second doch in der Hinsicht schon gewaltig ab. Insofern ist der Mulitplayermodus, obschon sehr, sehr spassig wenn man eine Lobby gefunden hat wo ein guter Mix an Wagen besteht, eher enttäuschend.
Belohnt werden also diejenigen, die sich durch den später sehr knackigen Singleplayer Modus kämpfen, oder die Autos per Download für ca 4€ vom Start weg freischalten. Letzteres ist, wie schon in NFS: Shift, ziemlich unverschämt. Vorallem durch die Tatsache, das sich die Wagen im MP nicht in verschiedene Klassen unterteilen lassen, kann man sich die besten Wagen direkt “kaufen”. Dazu muss ich wohl nichts weiter schreiben.
Turbolader
Technisch ist das Spiel über jeden Zweifel erhaben. Ständig explodiert irgendwas, irgendwelche Teile fliegen über die Strecke, überall liegen Wracks rum, und trotzdem schafft es das Spiel ‘fast’ durchgehend eine stabile Framerate aufrecht zu erhalten. Die Lichteffekte sehen einfach nur spektakulär aus, und die Sonne ist wunderprächtig anzuschauen, ohne dabei zu blenden, oder die Strecke “einzuweissen”, wie das bei vielen anderen Titeln der Fall ist. Dabei setzt das Spiel allgemein auf einen Look, der stark an Burnout erinnert. Die gesate Farbpallette springt einem förmlich ins Gesicht.
Bei genauerem betrachten fallen einem die etwas matschigen Texturen auf, vorallem auf den Fahrzeugen, die nach dem Startschuss jedoch sofort so gut wie unsichtbar geworden sind, es tut sich einfach viel zu viel aufm dem Bildschirm als das man da auf einzelne Texturen genauer achten könnte. Die Fahrzeugmodelle an sich sind durch die Bank hübsch anzusehen, und orientieren sich vom Design her, wie so viel, an den Burnout-Titeln. Alle Wagen sind total Over-the-Top designed und keiner sieht aus, als hätte er weniger als 1500 PS.
Besonderes auffallend ist das quasi nicht vorhandene HUD im Spiel, es wird alles direkt am oder unter dem Auto angezeigt, ausser der Geschwindigkeit, man fährt sowieso nur “schnell”, mehr muss man nicht wissen. Was zeitweise etwas störend ist, vorallem bei den “Helikopter”-Modi, sind die dicken Hinweistexte die einem JEDESMAL aufs neue erklären wollen, das man den Raketen des Helikopters doch bitte ausweichen soll. Das habe ich schon beim ersten mal begriffen, danke. Die Menüs, ja zwischen dem ganzen fahrerischen Chaos gibts auch Menüs, präsentieren sich recht aufwendig, bleiben dabei aber leicht Navigierbar. Durchaus nicht mehr selbstverständlich.
TRY OR DIE
Split/Second bleibt, obschon seiner ganzen Nachlässigkeiten (vorallem im Mehrspielermodus) ein sehr guter Titel. Die knackige Karriere hält einen für ca. 6-7 Stunden bei der Stange, und danach ist man für den prinzipiell äusserst spaßigen Multiplayermodus gerüstet. Vorallem Fans von Burnout werden an diesem Tiel sicherlich gefallen finden.












