Review: Red Dead Redemption

Geschrieben am 26. Mai 2010 von Gumshoe

Nach dem eher mäßigem und von wenig Erfolg gekröntem Red Dead Revolver wagt sich Rockstar San Diego nun an ein weiteres Abenteuer im Wilden Westen. Mit Erfolg, möchte man sagen, Red Dead Redemption ist all das, was der (in)direkte Vorgänger nicht zu sein vermochte. Mehr als nur ein GTA 4 mit Pferden? Jap.

Die Struktur des Spiels ist dabei einem GTA, wer hätte das von einem Rockstar Titel gedacht, nicht unähnlich. Und zwar sowohl was Charaktere als auch Missionsaufbau angeht. John Marston, der Hauptcharakter des Spiels, will etwas, und dafür muss er Dinge für andere erledigen. Schnell stößt hier jedoch sauer auf, das Marston an naivität kaum zu übertreffen ist. Er wird nonstop von anderen Charakteren hingehalten, wo einem normalen Menschen wohl schon längst der Geduldsfaden gerissen wäre. Im direkten vergleich zu Genrekollegen wie z.B. GTA4 hat RDR die Nase vorn, was vorallem an den ganzen Aktivitäten liegt die man ausserhalb der Missionen machen kann. Während sich diese Tätigkeiten im eher Autolastigen Vertreter des Genres auf Amoklaufen und alles kaputtballern beschränken, bietet RDR deutlich mehr Abwechslung wie das suchen nach Schätzen, zureiten von Pferden, oder das jagen von Füchsen und Bären.

Obschon der erste Eindruck ein anderer ist, kommt einem später die relativ offene Welt von RDR doch sehr leer vor, was anfangs von den zufälligen Begegnungen und Ereignissen am Wegesrand etwas versteckt wird. Doch leider viel zu schnell stellt sich hier die Routine ein. Wenn einem die 100ste halbnackte “Lady” darum bittet anzuhalten um den defekten Karren zu reparieren, weiss man halt was einen in erwartet. Und Leute die mitten in der Wildnis um eine “mitreitgelegenheit” bitten, werden schon viel zu früh einfach vom Spieler erschossen, oder gefesselt und auf die Gleise gelegt (ein Mordsspass!). Hier wäre wirklich etwas mehr Abwechslung wünschenswert gewesen.

Hübsche Neuerungen im Spielsystem sind das Honor Prinzip sowie Bountys auf den Kopf des Spielers. Wird jemand vom Spieler erschossen, kann es sein das dieser Mord beobachtet wurde, nun ist es am Spieler den Augenzeugen ebenfalls zu beseitigen (was zu einer netten Kettenreaktion führen kann) oder zu bestechen, um sich das Gesetz vom Leib zu halten. Spieler die auf “Ehre” nichts geben, lassen den Augenzeugen laufen, soll er dem Sheriff doch berichten was hier passiert ist, wird der halt auch beseitigt. Wird also dieser Sheriff noch über den Jordan geschickt, und einer seiner Kollegen beobachtet das, wird auf den Kopf von Marston ein Kopfgeld ausgesetzt. Das führt dazu das man auch in der Wildnis niemals wirklich vor dem Gesetz sicher ist, und ist das Kopfgeld hoch genug, kann es sein das man in einer Stadt von jemandem erkannt wird, der dann versucht das Gesetz von der Anwesenheit Marstons zu unterrichten. hauptsächlich wirkt sich das ganze Gut/Böse Prinzip auf die Preise in den verschiedenen Läden der NPC’s aus, ein guter Held bezahlt deutlich weniger als der Böse Schurke. 

Um das Kopfgeld wieder loszuwerden kann man Jobs für die gute Seite erledigen, dazu gehört zum Beispiel die Nachtwache, oder das jagen nach anderen Steckbrieflich gesuchten Verbrechern. Der Erlös aus diesen Aktionen landet dann nicht in der, niemals leeren, Tasche von Marston, sondern wird dazu genutzt das Kopfgeld zu tilgen. Ausserdem kann man überall in “New Austin” Begnadigungsschreiben finden, die man in Telegraphenstationen, die sich meist in Bahnhöfen befinden, einlösen kann, um das Bounty mit einem Schlag los zu werden.

Technisch ist das Spiel durchaus beeindruckend, die Welt von RDR ist detailreich und hübsch. Die Weitsicht, und die dabei erhaltenen Details suchen durchaus ihresgleichen. Hier und da kommt es zu LOD Problemen sowie gelegentlichen Rucklern, was das Gesamtbild dennoch nicht zu trüben vermag. Was etwas störender ist, sind die Bugs die sich ins Spiel geschlichen haben, so passiert es, vorallem nach längerer Spieldauer, gerne mal das die Kutschen alle zu wild rumhüpfenden “Low Ridern” werden, und sich selbst samt Pferd im hohen Bogen über die Dächer der Städte zu katapultieren. Ausserdem kommt es ab und zu mal vor, das man Pferde die man seinem besitzer nach einem Diebstahl zurückholen soll, suizid begehen indem sie wie von Sinnen in, wenn vorhanden, nahe gelgene Flüsse oder Seen galoppieren.

Alles in allem ist RDR, trotz der kleineren Mängel, ein absolut großartiges Spiel. Bleibt zu hoffen das zukünftiger DLC auf das Gesamtsystem aufbaut und dem Spieler mehr Freiheiten gewährt. Denn das erste was man sich denkt, wenn man andere Banditen Postkutschen ausrauben sieht: Warum kann ich das nicht von mir aus auch tun? Warum muss ich beim Postkutschenraub drauf warten, das jemand anderes damit anfängt? Und warum sieht man Postkutschen auf den Strassen nur, wenn sie ausgeraubt werden?

Tipp: Pferdedieb, fesseln, Öllampe.

Tipp 2: Kaufen.

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